Inflationsangst


Schon hört man aus konservativer Ecke die Alarmglocken läuten: Es droht eine Inflation! Und das bei einer Inflationsrate von aktuell 2,3 Prozent! Der Appell an die historisch begründete Inflationsangst der Deutschen ist für sie verlockend: Zu Bundesbank- und D-Mark-Zeiten wäre alles besser gewesen, während der Euro und die Europäische Zentralbank unser Geld weich machen.

Mit der Wahrheit hat das nichts zu tun. Die monatlich ermittelte Inflationsrate (also die Preissteigerung gegenüber dem gleichen Monat es Vorjahres) ist im Juni gegenüber dem Mai um 0,2 Prozent gesunken. Wenn sie im Juli erwartungsgemäß wieder steigt, ist das die Folge der coronabedingten Absenkung der Mehrwertsteuer (1. Juli bis 31. Dezember von 19 auf 16 und von 7 auf 5 Prozent), eine Preissenkung, die zum großen Teil an die Kunden weitergegeben wurde.

Aufs Jahr gerechnet ist deswegen die Inflationsrate im letzten Jahr von 1,4 auf 0,5 Prozent gesunken. Jetzt zahlen wir wieder die reguläre Mehrwertsteuer und die Preisdifferenz zum Juli 2020 ist entsprechend höher. Bis Ende des Jahres müssen wir also mit höheren Inflationsraten rechnen und anschließend normalisiert sich die Inflationsrate wieder auf ca. 2 Prozent – also auf einem Niveau, das im übrigen unter dem langjährigen Inflationsniveau zu D-Mark-Zeiten liegt. Also: keine Panik – oder wie der Wirtschaftsprofessor Ferdinand Fichtner den Angst schürenden konservativen Lautsprechern zuruft: „Jetzt lasst aber mal die Kirche im Dorf!“