Erben ist keine Leistung, sondern ein Privileg


03.09.2021

Im laufenden Wahlkampf geht es auch um die Steuergerechtigkeit. Wenn die Grünen, die SPD und die Linkspartei sich dafür einsetzen, dass der Reichtum stärker für das Gemeinwohl in die Pflicht genommen wird, sehen die Marktideologen von FDP und Unionsparteien die Wirtschaft in Gefahr. So auch bei der Forderung, die Erbschaftssteuer zu erhöhen.

In den zehn Jahren von 2009 bis 2019 hat sich die Summe des vererbten Vermögens, für das Erbschafts- oder Schenkungssteuer gezahlt wurde, von 23 Milliarden auf knapp 50 Milliarden Euro mehr als verdoppelt – eine Folge der anhaltenden Umverteilung von unten nach oben. Beispiel: Ehepartner/in und zwei Kinder erben 1,29 Millionen Euro. Kein Problem, sie brauchen überhaupt keine Erbschaftssteuer zu zahlen, denn der Betrag liegt unterhalb der Freibeträge (500.000 € Ehepartnerin, je 400.000 € für die Kinder). Erst die 75.000 Euro oberhalb dieser Freigrenzen werden mit 7 Prozent besteuert. Dieser Prozentsatz steigt dann mit steigender Erbsumme auf bis zu 30 Prozent (bei mehr als 26 Millionen Euro) – immer unter der unrealistischen Voraussetzung, dass keine Steuerschlupflöcher genutzt werden.

Da wurdert sich doch der Normalverdiener, dessen Arbeit mit bis zu 40 Prozent besteuert wird. „Leistung muss sich wieder lohnen!“, tönten vor Jahren die Marktideologen von FDP und CDU-Wirtschaftsflügel. Mit welcher Leistung haben die reichen Erben ihre leistungslosen Einkünfte verdient? Mit ihrer Herkunft, die ihnen ohnehin schon bessere Chancen verschafft? Gerecht geht anders! Das muss sich ändern!